Sonntag, 2. November 2008

Beförderung

Was soll ich sagen, nach einer Woche bin ich schon Chefin. Am Montag hab ich allein gearbeitet und das hätte ich gerne länger gemacht. Doch seit Dienstag bin ich die Ausbilderin von 3 Jungs. Irene konnte diese Woche leider nicht kommen und so musste ich die Neulinge ganz allein einarbeiten. Die Jungs sind in Ordnung, aber privat würde ich mich mit keinem von ihnen abgeben. Manuel, 25, Studienabbrecher, trägt ausgewaschene schwarze Klamotten, die leider nicht richtig sauber sind und hat einen miesen Haarschnitt, außerdem raucht und ißt er gleichzeitig. Diego Schullenberg, 25, hat einen deutschen Vater, kann aber kein Wort deutsch, dafür hat er ein ausgeprägtes Ego, ist Kettenraucher und ein typischer Vertreter. Joaquin, 33 aus Sevilla, war vorher Elektriker und kann home english nicht aussprechen. Und ich erlaube mir zu behaupten, dass keiner von den dreien vernünftig Englisch kann.
Ihr werdet euch über mein hartes Urteil und so viele Äußerlichkeiten vielleicht wundern, aber schließlich sind wir für die Öffentlichkeitsarbeit eingestellt und repräsentieren eine Firma.
Naja, normalerweise bekommt man die Kopie mit dem was man sagen soll, übt ein paar mal trocken und hört und sieht dann einen Vormittag lang der Ausbilderin bei der Arbeit zu. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich nicht mit drei Leuten hinter mir in die Geschäfte gehen kann, wir bauen uns zu viert vor den Leuten auf und aus dieser Mauer heraus fragt einer, ob jemand Englisch lernen will. Ich bin also jeweils mit einem rein gegangen und die anderen mussten warten und nach ziemlich kurzer Zeit hab ich dann zwei allein losgeschickt. Learning by doing. An dem Tag kam ich fix und fertig zu Hause an. Den Rest der Woche musste ich vor allem Joaquin helfen, der sich am Anfang gar nicht getraut hat und jetzt so langsam die Nervosität verliert. Diego denkt er kann schon alles, aber immerhin konnte ich ihn davon überzeugen, dass er die Leute nicht unter Druck setzt. Es nützt ja nichts, wenn wir den Leuten die Termine mit Gewalt aufzwingen und sie dann den Vertreter gleich wieder weg schicken. Manuel geht jetzt schon ein bisschen mehr auf die Leute ein und schüttet sie nicht mehr mit Argumenten zu ohne sie zu Wort kommen zu lassen. Obwohl ich von den Jungs nicht besonders überzeugt bin, denke ich das sie ihren Job jetzt einigermaßen machen.
Ab Montag hab ich dann das Glück in Santiago zu arbeiten, dann kann ich mich wenigstens in der Mittagspause von den Jungs befreien. Außerdem kann ich länger schlafen und bin eher zu Hause. Ich denke das wird eine angenehm ruhige Woche. Die Woche danach werden wir allerdings nach Valladolid geschickt, das heisst ich muss eine mehrstündige Autofahrt mit drei Rauchern und schlechter Musik überstehen. Dann muss ich 4 Nächte in einem Hotel übernachten und mir meine Arbeitskollegen nach der Arbeit vom Hals halten. Klingt bis jetzt noch nicht so verlockend, aber ich versuche optimistisch zu bleiben.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

fetter shit alter....

du bist damit der einzige held der arbeit den ich kenne!

Eva-Maria hat gesagt…

Von wegen Heldin der Arbeit, bis jetzt verdien ich genauso wenig, wie die Typen die ich rumkommandiere, hab also nur extra Sorgen. Aber immerhin kann ich Englisch und habe einen Uniabschluss....mmmhhh bin voll ueberqualifiziert.
In der Rose fuer einen Hungerlohn ueberleben ist auch bissel Held.